Advent, Weihnachten...und eine verborgene Perle

IMAG0334Wenn Vivaldi und Bach zur Weihnachtszeit auf dem Programm stehen, so denkt man natürlich zuerst an Gloria und Weihnachtsoratorium. Doch mit der Kantorei der Kreuzkirche haben wir für unser Konzert am 16.12. Stücke ausgewählt, die weitaus seltener zu hören sind. So wird der große Italiener diesmal mit seinem weitaus weniger bekannten, doch nicht minder schönen Magnificat in g-moll RV 610 vertreten sein, sein deutscher Bewunderer mit der Messe G-Dur BWV 236, die Bach in seiner Reifezeit aus überarbeiteten Kantatensätzen der Leipziger Jahre zusammengestellt hat. Diese wunderbare Musik ist erfüllt von adventlicher Spannung im Kyrie, von weihnachtlichem Schwung im Gloria.
Und da Bachs reife Musik ohne den Venezianer Vivaldi nicht denkbar ist, gibt es von diesem noch das fantastische, selten gespielte Concerto d-moll RV 235 für Violine und Streicher, dessen großer technischer Herausforderung sich unser Solist und Konzertmeister Henning Vater mit Begeisterung stellt.
Und noch eine Entdeckung gibt es zu hören: Cesare Tudino, Domkapellmeister des adriatischen Bischofs Johannes de Benedictis, hat im Jahre 1590 eine Sammlung von Magnificat in Venedig drucken lassen, deren einziges bekanntes Exemplar heute in der Murhardschen Bibliothek in Kassel liegt. Ich habe das erste dieser Stücke aus den Quellen übertragen und werde es mit dem Kammerchor der Kantorei in unserem Konzert das erste Mal seit Jahrhunderten wieder aufführen, klingendes Zeugnis der einstigen Größe der Residenzstadt Kassel und Dokument einer großen europäischen Musiktradition, die in Bachs Schaffen ihre Vollendung gefunden hat.
Weitere Angaben zu Zeit, Ort und Ausführenden finden Sie hier.



Quelle: UB Kassel, Sig. 4°Mus 44e