Wie ein inneres Feuer

Komponistinnen-Konzert am 04.09.2011





WIE EIN INNERES FEUER
Musik von Komponistinnen - mit Gesang und Cembalo

Wie ein inneres Feuer“ brannte die Musik in den Herzen der
Komponistinnen des 17. und 18. Jahrhunderts, die der Sänger
Jochen Faulhammer (Bass) und die Instrumentalistin Claudia
Schweitzer (Cembalo) am 4.9. bei einer Matinée im
Lichtraum Kassel vorstellten.
Jochen Faulhammer und Christine Schweitzer

Damit das Feuer zur Flamme werden konnte, an der sich viele wärmen
konnten, gab es für Frauen in einer männerdominierten Musikwelt damals
nicht viele Wege. Die beiden engagierten Musikerpersönlichkeiten stellten
exemplarisch drei Möglichkeiten dar: Zum einen die Ehe mit einem reichen
Mann, der der Frau Freizeit und Raum gab, ihrer Leidenschaft zu frönen
und das kulturelle Leben der Stadt zu bereichern und damit auch das eigene
Ansehen zu mehren. Dies war der Fall bei Francesca Caccini (1587 – ca. 1640),
die als Tochter des bekannten Komponisten Julio Cassicini die Kreativität
in die Wege gelegt bekommen hatte. Sie wusste, was sie Ihrem Vater und
Lehrmeister schuldig war und griff eine Zeile aus seiner berühmten Arie
„.Lasciatemi morire..“ auf, um daraus ihr eigenes Stück „...“ zu formen.
Dem Duo gelang damit der emotionalste Moment des Konzertes: Einsamkeit,
Sehnsucht, Schmerz und italienisches Melos verbanden sich auf wunderbare Weise.
Faulhammer und Schweitzer
Zum zweiten gab es das Kloster: Hier konnte eine Frau, wenn sie ihre Position in der
geistlichen Hierarchie gesichert hatte, durchaus schöpferisch tätig sein. Isabella Leonarda
(1620 - 1794) gelang es, mit ihren Kompositionen auch den Respekt der Komponisten-
kollegen der damaligen Zeit zu erringen. Geistliche Texte, gleichwohl voll tief empfundener
Empfhase gegenüber zu Jesus, der mildtätigen Maria und der allumfassenden göttlichen
Liebe, ließen ihre Musik auch zu einer sinnlichen Erfahrung werden, wobei sie mit
hochvirtuosen Melismenketten auch hohe Ansprüche an den Sänger stellte, die der Sänger
mit Bravour bewältigte.

Und schließlich der dritte Weg: Als „ehrbare Kurtisane“, so Faulhammer, habe Barbara
Strozzi (1619 – 1677) ihren Weg gemacht und verwies auf ein Porträt, das sie mit entblößter
Brust und Laute zeigte – ein deutlicher Verweis auf ihren Stand. Als Kennerin der männlichen
Begierde und der männlichen Psyche gelang ihr eine herrliche Parodie auf Liebesleid und Gockelei.
Sie ließ in ihrer Arie „L'Astratto“ einen Verlassenen anhand des Studiums von Gedichten und
Liedern seinen Schmerz bewältigen, der ihn gleichwohl stets aufs Neue übermannt: ein Glanzstück
für Jochen Faulhammer, der ja auch ein Komikertalent hat (siehe sein Nordhessen-Programm)!
Claudia Schweitzer ergänzte die stets einfühlsam und oft auch mit Spielwitz begleiteten
Liedvorträge Faulhammers um vom Geist der Klassik geprägte Instrumental- Kompositionen ,
von denen besonders das virtuos-vitale „Seconde Piece“ von Genovieffa Ravissa (ca. 1750 – 1807)
überzeugte. Insgesamt ein höchst originelles Konzert, das nicht nur in seiner makellosen technischen
Ausführung, sondern auch in seiner Warmherzigkeit das Publikum im Lichtraum begeisterte